Stephanie Benoit August 21, 2017

Das Künstlerduo L+S wurde beauftragt, ein Kunstwerk für das Ullerntunet, ein Pflegeheim in Oslo, Norwegen, zu entwerfen. Das Konzept sah die Installation einer zweiteiligen Skulptur auf dem Gelände des Zentrums vor, bestehend aus einem vier Meter hohen Baum und seiner bronzenen Nachbildung. Erfahren Sie jetzt, wie die Künstler ihre Vision auf der Grundlage eines 3D-Scans des ursprünglichen Baumes verwirklichten und die Skulptur mit 3D-Druck und TetraShell-Feinguss modellierten.
 


Eine Geschichte über zwei Bäume

Ullerntunet durchlief einen umfangreichen Bau- und Renovierungsprozess, der es gegenwärtig zum energieeffizientesten und umweltfreundlichsten Pflegeheim Norwegens gemacht hat. Es ist sowohl ein Wohn- als auch ein Behandlungszentrum für Demenzkranke. Lutz-Rainer Müller und Stian Ådlandsvik, die deutschen und norwegischen Künstler hinter L+S, entschieden sich bewusst für ein Design, das die Funktion des Zentrums verkörpert.

Sie schufen die Bronzeskulptur eines Baumes und halbierten diese, sodass ein Gefühl der Unvollständigkeit, wie in einem Traum oder einer Erinnerung, entsteht. Der echte Baum und seine Nachbildung aus Bronze sind so ausgerichtet, dass der lebende Baum vom Eingang des Hauses aus hinter der Bronzeskulptur sichtbar ist. Aus dieser Perspektive sieht das Auge des Betrachters die Ähnlichkeiten - und im Laufe der Zeit die Unterschiede – der beiden Bäume. Während der lebende Baum weiter wächst und sich verwandelt, bleibt der Bronzebaum unverändert. Die Skulptur spielt mit dem Konzept des Gedächtnisses - unsere Erinnerungen bleiben statisch und eingefroren in der Zeit, was im Gegensatz zum Wachstum und dem weitergehenden Leben steht.

Lutz-Rainer Müller and Stian Ådlandsvik, the artists behind L+S
Lutz-Rainer Müller und Stian Ådlandsvik, die Künstler hinter L+S

Mit der TetraShell-Technologie wird die Skulptur zum Leben erweckt

Doch wie konnten L+S ihr Konzept verwirklichen? Nach der Erstellung eines digitalen 3D-Modells des lebenden Baumes bestand die eigentliche Herausforderung darin, die Skulptur kostengünstig in Bronze zu gießen. Beim traditionellen Wachsausschmelzverfahren wird eine Silikon-Masterform erstellt - gefolgt von einer Wachskopie. Diese wird in Keramik eingetaucht, um die endgültige Form für das Gießen des Metallgegenstandes herzustellen. Es ist ein zeit- und kostenintensiver Prozess, sodass L+S verschiedene Produktionsalternativen miteinander verglichen. Sie entschieden sich für den 3D-Druck, anstatt in nur einmalig verwendbare Werkzeuge zu investieren, und wandten sich hilfesuchend an Materialise.

Um Thomas Sijen, Inhaber der Gießerei Sijen Art Studio, mit dem TetraShell-Verfahren vertraut zu machen, druckten wir zunächst einen kleinen Abschnitt des Stammes. Diesen konnte Thomas für das Gießen verwenden. „Wir hatten ein Testobjekt und die Ergebnisse waren wirklich gut ", berichtete Thomas.

„Durch die Verwendung von TetraShell können Sie einige Teile Ihres normalen Fertigungsablaufes überspringen. Sie nutzen ein gedrucktes Produkt anstelle eines traditionell mit Form- und Wachsmodellen hergestellten Teils. Das erspart Ihnen viel Zeit und Geld.“

Creating the 3D model

Nach einem erfolgreichen Testlauf begannen unsere Ingenieure bei Materialise mit der Arbeit. Zunächst wurde das digitale Baummodell mithilfe von TetraShell ausgehöhlt. Bei TetraShell handelt es sich um eine Softwarelösung von DSM, bei der das Modell mittels Stereolithographie mit einer dünnen Außenschicht und einem hohlen, durch eine Tetraeder-Struktur gestützten Inneren gedruckt wird. Als Kopie eines Baumes war das Modell mehr als vier Meter hoch - und die Dateigröße entsprechend groß. Glücklicherweise kam der Materialise Build Processor zur Hilfe, der die gigantische Datei für unsere 3D-Drucker in überschaubare Teile zerlegte.

The tree model on the Stereolithography printer

Das Master-Modell wurde dann auf unseren patentierten Mammoth Stereolithographie-Maschinen gedruckt. Die größere Plattformkapazität war perfekt, um die Teile mit einer Länge von fast zwei Metern zu drucken! Das Modell wurde manuell fertiggestellt, um dem Risiko oberflächiger Deformationen entgegenzuwirken. Danach wurde es an die Gießerei geschickt, um eine Gipsform durch das Umgießen der 3D-Druckteile mit Verbundwerkstoffen zu erstellen. Anschließend wurde geschmolzene Bronze in die Gipsschale gegossen, abgekühlt und die Schale aufgebrochen, um die fertige Bronzeskulptur zu enthüllen.

At the Sijen Art Studios foundry
Pouring liquid bronze into the mold


Auch Lutz und Stian waren mit dem Endergebnis zufrieden. Erschöpft nach einem langen Arbeitstag, an dem Lutz mitten im Winter in Oslo den Bronzebaum installierte, erzählte er uns: 

„Materialise war schon immer sehr offen, sehr direkt und sehr neugierig auf unser Projekt und das hat uns wirklich geholfen, es letztendlich zu realisieren. Für uns ist das Wichtigste, uns selbst zu überraschen, etwas zu entwickeln, was wir noch nicht entwickelt haben.“

3D Printing und TetraShell können auch der Schlüssel zur Realisierung Ihres Kunstwerks sein. Schauen Sie sich einige unserer anderen Projekte hier an, oder nehmen Sie Kontakt mit uns auf!