Anna Fischer Oktober 25, 2017

Die Münchner Chirurgen wollten jedoch um jeden Preis verhindern, das Bein dieses kleinen Jungen amputieren zu müssen. Deshalb beschlossen sie, den Tumor großflächig zu resezieren und den Knochendefekt mit biologischem Material (Mischung aus eigener Fibula und Spenderknochen) zu rekonstruieren - wobei die größte Schwierigkeit darin lag, die angrenzende Wachstumsfuge nicht zu beschädigen. Um diesen komplexen Plan zu realisieren, wandten sich die Chirurgen aus München an Materialise.

tumor surgery following pre-surgical planning

Zuerst wurden die CT-/MRT-Scans des Patienten in die Software  Materialise Mimics hochgeladen. Auf Basis dieser radiologischen Daten wurde dann ein digitales 3D-Modell seines Femurs erstellt. In enger Zusammenarbeit mit Dr. Ulrich Lenze und Dr. Carolin Knebel, zwei Chirurgen aus der Orthopädischen Abteilung des Klinikum rechts der Isar in München, half der klinische Ingenieur Antoon Dierckx von Materialise, die Resektion des Tumors und die anschließende Rekonstruktion mit einem Spenderknochen (Allotransplantat) in 3D zu planen. Da es sehr wenige junge Knochenspender gibt, stellte sich ein weiteres Problem: Einen Spenderknochen zu finden, der die anatomischen Voraussetzungen erfüllen und genau in Jojos Bein passen würde. Die Chirurgen sahen sich schließlich gezwungen, den Humerus eines Erwachsenen zu verwenden - von zwei Spenderknochen, die vom Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) geliefert wurden. Anhand der CT-Scans der beiden Spenderknochen und mithilfe der OP-Planungssoftware von Materialise konnte klar erkannt werden, welcher der beiden Spenderknochen nahezu perfekt auf den Knochen des Patienten passte.

virtual pre-surgical planning in 3D       virtual pre-surgical planning in 3D with patient-specific guides

Anschließend wurden patientenspezifische Resektionsschablonen entwickelt, die eine präzise Resektion des betroffenen Knochenteils nach den Spezifikationen des Chirurgen ermöglichten. In diesem speziellen Fall wurde darüber hinaus auch eine 3D-Platte aus Titan hergestellt, um die Osteosynthese zwischen dem Allotransplantat und dem verbliebenen Knochen zusätzlich zu unterstützen.

tumor surgery following pre-surgical planning (2)

Die Operation dauerte acht Stunden. Diese Zeit war für die Eltern von Jojo sehr schwer zu ertragen. Sie hatten unglaubliche Angst um ihren Sohn. Aber die Mühen der Ärzte sollten sich lohnen: die Operation gelang. Der Leiter des OP-Teams, Professor von Eisenhart-Rothe fasst zusammen: „Wir konnten den Tumor vollständig entfernen und das Bein retten. Wenn alles nach Plan verläuft und keine Komplikationen auftreten, wird sich das Bein gut erholen und der Junge wird wieder ohne größere Schwierigkeiten laufen können.“

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