Anna Fischer August 27, 2017

Inge W. ist mit einer deformierten Hüfte auf die Welt gekommen. Unzählige Operationen und Therapien hatten zu einem großen Loch in ihrem Beckenknochen geführt, sodass es sehr schwer war, ein Standard-Implantat anzubringen. Inges Zustand verschlechterte sich zunehmend und es schien schon sicher, dass sie für den Rest ihres Lebens an den Rollstuhl gefesselt sein würde. Heute kann Inge wieder laufen - dank eines 3D-gedruckten Hüftimplantats, das speziell für sie angefertigt wurde.

Inge hatte sich an die Helios ENDO-Klinik in Hamburg gewandt, eine der führenden Kliniken für Hüft- und Knieoperationen in Europa. Nach einer Konsultation mit Dr. Thorsten Gehrke, dem medizinischen Leiter der Klinik, war klar, dass es nur eine Lösung gab: ein maßgefertigtes Hüftimplantat, genau angepasst an den verbliebenen Knochen.

patient specific 3D-printed hip implant
3D-Modell von Inges Becken.

Dr. Gehrke wandte sich an Materialise, um dieses 3D-Modell anfertigen zu lassen. Zuerst wurde ein 3D-Modell von Inges Becken digital rekonstruiert und gedruckt. An diesem konnte Inge das Operationsverfahren anschaulich erklärt werden, um ihre Ängste zu beseitigen - berechtigte Ängste, wenn man bedenkt, dass es sich um ihre zehnte Hüftoperation handelte.

Das 3D-gedruckte Modell ihrer Hüfte half den Chirurgen der Helios ENDO-Klinik zudem bei der Operationsplanung und bei der Visualisierung der einzelnen Schritte, die für die präzise Positionierung des Implantats notwendig waren. Schließlich wurde das Implantat  designt und gedruckt - mithilfe des aMace System von Materialise. Das 3D-gedruckte Implantat aus Titan ist genau an die Anatomie der Patientin angepasst, sodass es sicher sitzt und die Gefahr einer Dislokation oder Einklemmung sehr gering ist.

3D-printed hip implant
Gedrucktes 3D-Hüftimplantat und Schablonen

Während der Operation konnten die Chirurgen das aMace System zur Acetabulumrevision und die Schrauben mit höchstmöglicher Präzision einsetzen, da sie die Prozedur bereits an dem von uns mitgelieferten Implantat-Dummy und dem Knochenmodell geübt hatten. Darüber hinaus ermöglichten ihnen die 3D-gedruckten Bohrschablonen die Schraubenlöcher an den richtigen Stellen und im richtigen Winkel zu bohren. So wurde eine optimale mechanische Stabilität sichergestellt und einem vorzeitigen Abrieb und Versagen des Implantats entgegengewirkt.

Fünf Monate nach der Rekonstruktion ihres Beckenknochens hat sich Inge sehr gut erholt - sie kann wieder ohne Hilfe gehen. Wir wünschen ihr viel Freude mit ihrer neuen Hüfte.

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